Bugwelle und Kielwasser

Bugwelle und Kielwasser
Bugwelle und Kielwasser

Wenn ein Schiff das Wasser teilt, entsteht vorn die Bugwelle mit schäumender Gischt und hinten das Kielwasser, relativ glatt und leise gurgelnd – jedoch mit einem gefährlichen, fast unsichtbaren Sog. Die Wirtschaft ist mit Ihren Menschen recht ähnlich. Es gibt Macher, angestellt oder selbständig, die mit Schwung und Dynamik immer wieder neue Wellen schlagen und es gibt solche, die sich lieber hinten anhängen und sich im Kielwasser mitziehen lassen

Bugwelle

Bugwellen drängen nach vorne, sie sind für Neues gut. Sie hinterfragen nicht, ob ihr Handeln richtig sein könnte, sie setzen es einfach um. Sie sind Motor. Sind sie zu viele, gibt es unruhiges Wasser und viele hohe Wellen. Dann wird es laut und hektisch. In der Werbebranche zum Beispiel gibt es viele Bugwellen. Dementsprechend scheinen Spots im abendlichen TV-Programm oft nur laut und schrill, um die anderen zu übertrumpfen mit dem klassischen höher-schneller-weiter-Prinzip. Wer die höchsten Wellen schlägt, gewinnt.

Kielwasser

Also lieber brav ins Kielwasser und sich nichts vorwerfen lassen können. Darauf achten, dass der Kurs gehalten wird, die Fahrt gleichmäßig verläuft und nichts aus der Reihe tanzt. Hängen im Kielwasser jedoch zu viele, beginnen sie ihrerseits, dem Schiffsführer den Kurs vorzuschreiben. Nicht so schnell bitte, alle wollen hinterher kommen, nicht so viel Bugwelle bitte, die erschlägt ja alles. Gleichzeitig wollen Sie aber auch Wasserski fahren.

Unternehmer

In einigen Branchen ist das Verhältnis zwischen Bugwellen und Kielwasser arg durcheinander. In den letzten Jahren gab es einige Unternehmen, auch ganze Branchen, die in voller Fahrt unterwegs waren, übermotorisiert und nahezu dazu einluden, mitzukommen. In dieser Zeit wird kontrolliert, warum der Treibstoffverbrauch auch bei der geringeren Ladung nicht abnimmt und dann werden einfach die Taue gekappt.

Die Bugwellen nutzen die derzeitige Pause zum Tanken, für einen kurzen Werftbesuch, zum Bunkern von Nahrungsmitteln und Wasser und zur Schulung der Mannschaft – um bald wieder in See zu stechen. Gut vorbereitet, eventuell mit neuen Routen.

Verwalter

In ganzen Branchen kann man beobachten, dass ein gesundes Management in guten Zeiten aus Angst vor zu vielen Bugwellen ausgetauscht wurde: Gegen eine Verwaltung des Tagesgeschäftes. Eine Verwaltung kann aber nur das, was ihr Name schon aussagt: Verwalten. In vielen Unternehmen ist es an der Tagesordnung, für jede noch so banale Idee tausend Gründe dagegen zu suchen, warum sie hier, heute und in diesem Betrieb ohnehin nicht funktioniert, statt den einfachsten und offensichtlichsten Weg zu nehmen: Es einfach zu versuchen.

Wer seine Struktur selbst nicht erneuert, bei dem erneuert der Kunde. Da kann man sich in das Kielwasser des Kunden werfen und ihm dienlich hinterher schwimmen. Oder aber selbst Kurs aufnehmen. Dafür aber bestimmen, wo es lang läuft und das machen, was man selbst für richtig hält. Märkte kann man bedienen, man kann sie auch mitgestalten – man kann auch Märkte machen.

Ein überragendes Beispiel hierfür ist Apple. Im PC Markt präsentieren sich tausende von Anbietern, die irgendwie scheinbar alle das gleiche machen. Sie produzieren Produkte, die sich kaum voneinander unterscheiden – eine graue Masse. Mit diesem Kurs können sie nur laut um Hilfe schreien. In der Realität heißt dieser Hilferuf PREIS.

Bei Unternehmen wie Apple heißt es iPod statt MP3 Player, iPhone statt Handy und iMac statt Computer. Apple setzt damit immer wieder neue Maßstäbe, die auch die Ausrichtung der anderen wesentlich bestimmen.

Ich frage mich, warum so viel Energie darauf verwendet wird, ständig alten Ballast mit sich zu tragen und so wenige Unternehmen sich im Klaren darüber werden, welche Position sie inne haben und auf welcher Position sie wahr genommen werden. Um dann vielleicht einen völlig neuen Kurs zu überlegen. Und damit in neues Fahrwasser zu gelangen, statt das gleiche immer wieder zu benutzen. Neue Kurse sind verunsichernd – für die im Kielwasser. Siehe FROSTA nach deren Kurswechsel. Aber dafür langfristig erfolgreich.

Fazit: Bestimmt von Zeit zu Zeit Ihren Kurs und nehmt Fahrt auf. Werdet Bugwelle statt Kielwasser.

 

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